Gerhard Schröder zu Gast an der TU Dortmund. Beim Neujahrssymposium der
Ökonomischen Bildung 2012 am Mittwoch sprach der Altkanzler über die “Perspektiven und Herausforderungen für Deutschland und Europa in einer globalisierten Welt”. Unsere Reporter von do1.tv waren vor Ort und haben die Thesen Schröders – von der Zukunft Europas, über die Euro-Krise und Türkei-Beitritt – für euch zusammengefasst.
Tatatataaa – der Altkanzler ist da. Keine Frage, dass do1.tv sich einen Termin auf dem eigenen Campus mit derart hohem Nachrichtenwert nicht entgehen lassen konnte. Möchte und kann Gerhard Schröder mitmischen in der Reihe der weisen Männer, die zurück- und nach vorne blicken, analysieren, kritisieren und gute Ratschläge verteilen? Mit dem so beruhigenden Wissen im Hinterkopf, politische Kabbeleien ein für allemal hinter sich gelassen zu haben? Hat Schröder das Zeug zum Helmut Schmidt-Nachfolger? Ohne Zigarette zwar, dafür aber mit einer Vorliebe für gewisse russische Staatsmänner?
Mit zwei Kameras bauten wir uns also im vollbesetzten Auditorium Maximum auf, zapften den Rednerpult-Ton an und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Schröder kam, erst ein bisschen müde (Schulorchester), dann klatschend (Bigband), schließlich herzlich lachend (Rede von Oberbürgermeister Sierau). Und sprach. Darüber, dass europäischer Zusammenhalt wichtig ist, wenn die EU als globaler Player zwischen den USA und den BRIC-Staaten bestehen will. Dass wir den Euro brauchen. Dass die EU die Türkei nicht „vor der Tür“ stehen lassen dürfe. Und dass wir die Partnerschaft zu Russland ausbauen sollten. Der Altkanzler lobte sich selbst für die Agenda 2010, plädierte für einen Mindestlohn, kritisierte Merkels anfängliche Griechenland-Krisenpolitik, stellte danach aber fest, dass die Kanzlerin nun auf dem richtigen Weg sei.
Kritische Töne also, aber auch versöhnliche Töne. Interviews sollte es eigentlich keine geben, wir ließen uns davon aber nicht abschrecken. Und durften Gerhard Schröder dann zwischen Tür und Angel tatsächlich eine Frage stellen. Wieso macht ein Altkanzler das, vor Studenten sprechen? Was kann das bringen? Anstöße, sagte Schröder. Er freue sich über wirtschaftsinteressierte junge Menschen – und vor allem freue er sich darauf, zu diskutieren.
Ob man bei vier Fragen aus dem Publikum und vier Antworten Schröders tatsächlich von Diskussion sprechen kann, sei dahingestellt. Ein Student rief jedenfalls aus der Menge: „Das ist doch keine Diskussion, wenn gar nicht jeder drankommt.“ Gespalten war auch die Meinung zu Schröders Einstellungen, das kam bei unserer do1-Umfrage unter Studenten im Anschluss an das Symposium durch. Gelernt haben trotzdem alle was. Und sei es, dass mit Gerhard Schröders mahnender Stimme wohl auch in den kommenden Jahren zu rechnen sein wird.
Eine Wahl ohne Wähler?! Am 7. Juni ist Europawahl und bisher hat nur jeder dritte EU-Bürger überhapt sicher vor, zur Wahl zu gehen. Dabei wächst der Einfluss der EU auf unser alltägliches Leben ständig: Vom Glühbirnen-Verbot bis hin zur gemeinsamen Sicherheitspolitik. Die einzige Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen: wählen gehen!