Alles Wahlkampf, oder…?

Von der Ratlosigkeit zweier Nachwuchsjournalistinnen oder warum die Linken in der Wahlkampfreportage nicht vertreten sind.

Im Wahlkampf wollen sich die Parteien von ihrer besten Seite zeigen. Klar, das liegt in der Natur der Sache: Ohne witzige Wahlkampfaktionen müssten die Parteien bei potenziellen Wählern allein mit ihren Wahlprogrammen punkten. Dass das nicht immer gut geht, sollte auch jeder verstehen. Ein Stand in der Innenstadt am Wochenende dürfte das Mindeste sein. Und immerhin haben wir 2013, da ist gegen einen netten Internetauftritt und eine eigene Facebookseite auch nichts einzuwenden. Wenn dann noch das Unifernsehen über den Wahlkampf an sich berichten will, sollte die Rechnung für die Parteien eigentlich einfach sein. Mehr Aufmerksamkeit (besonders von jungen Wählern) bedeutet mehr potenziellen Stimmen und die Chance, sich den Erstwählern zu präsentieren. Eigentlich.

Die Dortmunder Linke hält es mit der Öffentlichkeitsarbeit offenbar etwas anders. Auf unsere Anfrage, ob wir ihren Wahlkampf mit der Kamera begleiten dürften, reagierten sie zumindest nicht mit großem Interesse. Ihr Versprechen, uns zurückzurufen, nachdem wir mehrfach darum gebeten hatten, hielten die Parteimitglieder nicht. Und auch, nachdem wir das Parteibüro in der Innenstadt aufgesucht hatten, um die Dame dort um einen Gesprächstermin mit dem Pressesprecher zu bitten, warteten wir vergeblich auf die versprochene Rückmeldung. Erst ein weiterer Anruf brachte uns den gewünschten Kontakt und sogar eine Verabredung, um mit dem Pressesprecher den Dreh zu
besprechen.

Zu unserer Enttäuschung platzte der Termin wenige Stunden, bevor er stattfinden sollte – der Pressesprecher war kurzfristig verhindert, konnte uns leider aber auch keinen Ersatztermin anbieten.
So gingen die Wochen ins Land – uns rannte die Zeit bis zur Deadline davon. Während die anderen Teams schon mit Drehs von Drachenbootrennen und Hausbesuchen aufwarteten, hatten wir noch keine einzige Sekunde im Kasten. Dabei sollte die Linke in unserer Reportage nicht fehlen.

In unserer Notlage beschlossen wir, auf eine Vorbesprechung zu verzichten und direkt mit dem Drehen zu beginnen.
Der Pressesprecher lud uns auf Anfrage dazu ein, am 31. August am Wahlkampfstand in Dortmund Körne zu drehen. Wir sagten zu. Schleppten die gesamte Kameraausrüstung von der Uni auf die andere Seite der Stadt. Und trafen – nicht auf die Linken im Wahlkampf. An verabredeter Stelle: Keine Fähnchen, keine Flyer, einfach nichts.
Unsere Stimmungslage schlug mittlerweile von Ungehalten in Verzweifelt um. Hatten wir uns missverstanden? Ein Anruf beim Pressesprecher sollte Klarheit bringen, schließlich wollte er eigentlich selbst anwesend sein. Leider hob am anderen Ende niemand ab. Weil auf der Homepage der Linken noch mehrere Orte für den Wahlkampf angeschlagen waren, zogen wir nach Brackel weiter, in der Hoffnung, dort auf jemanden zu treffen. Vergeblich. Wir vermuteten, dass der Wahlkampf aufgrund der Nazidemo in der Innenstadt abgesagt worden war.

Sicher wissen wir das bis heute nicht, denn niemand hatte uns informiert, geschweige denn konnten wir den Pressesprecher im Laufe des Tages noch erreichen. Eine Entschuldigung hielt er offenbar nicht für notwendig. Vielleicht hat er uns ja auch einfach vergessen.

Verstehen können wir es nicht, dass die Linken uns mit derart starkem Desinteresse begegneten, obwohl die Sendung für ihren Wahlkampf sicherlich nicht von Nachteil gewesen wäre. Aber selbst wenn sie uns nicht um ihrer Partei willen zur Verfügung stehen wollten – in ihrem Parteiprogramm widmen sie einen gesamten Programmpunkt der Bildung auch an Hochschulen. Wenn sie darauf tatsächlich so viel Wert legen, würden sie engagierte Studenten sicherlich unterstützen bei einem Projekt wie der Wahlkampfreportage, das im Rahmen der universitären Ausbildung umgesetzt wird. Jeder Dreh ist für uns schließlich eine Möglichkeit, journalistische Erfahrungen zu sammeln, und gerade politische Themen sind da von großem Interesse.

Diese Erfahrung mit den Linken macht die Partei für uns deshalb irgendwie unglaubwürdig.
Was am Ende blieb? Zwei frustrierte Studentinnen ohne Bildmaterial und das Wissen, wer ihre Stimme bei der Bundestagswahl schon mal nicht bekommen sollte.

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