Monatsarchiv: Juli 2013.

do1-Talk: Dortmund hat die Wahl

Endspurt in Richtung Berlin: Am 22. September ist Bundestagswahl. Für die Spitzenkandidaten der Parteien heißt das: Wahlkampf. Für die Wähler stellt sich dagegen die Frage: Wer soll’s sein? In unserem do1-Talk diskutieren die fünf Spitzenkandidaten der führenden Bundestagsparteien die Themen: Armut, Mindestlohn, Wohnen und Energie. Eine konfrontative Diskussionsrunde mit den Moderatoren Karen Grass und Jan-Philipp Wicke.

Ortstermin Spezial: Festival

Mitten im Festivalsommer waren auch wir auf den musikbeschallten Wiesen der Region unterwegs und sind mit Antworten auf folgende Fragen
zurückgekommen: Wie findet ein Hindu unser Holi Festival of Colours?Was bedeutet es für eine Newscomerband bei Rock in den Ruinen im Line-Up zu stehen? Wie viel darf gearbeitet werden, wenn andere auf den Pollerwiesen tanzen? Und was unterscheidet eigentlich ein Festival von einer vernünftigen Geburtstagsparty? Das alles beantwortet unser do1 Ortstermin Spezial Festival!

do1-Talk: Was ist Stupa?

Das Studierendenparlament, kurz StuPa, ist so etwas wie der Bundestag der Studierendenschaft. Alles, was Studenten angeht, wird hier besprochen und beschlossen. Soweit die Theorie. Doch die Praxis sieht anders aus. Kaum ein Student kennt sein Parlament, nur ein Bruchteil geht wählen und oft ist das StuPa gar nicht beschlussfähig, weil zu wenig Mitglieder an den Sitzungen teilnehmen. Im Juni sollte eigentlich ein neues Studierendenparlament gewählt werden, doch die geplanten Wahlen mussten wegen Formfehlern verschoben werden. Grund genug für do1, nachzufragen: Was ist das StuPa überhaupt und was macht es? Moderatorin Clara Bergström hat sich darüber mit drei Hochschulpolitikern der TU Dortmund unterhalten.

Newsflash: Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge endet

Newsflash: Astronauten an der TU Dortmund

„Die Energiewende braucht jede Menge begeisterter Leute“

Mit der Kraft der Sonne: Solarzellen liefern Strom für Energieplus-Häuser.
Foto: HS-Wohnungsbau Dortmund

Noch sind Häuser, die Energieüberschüsse produzieren, in der Feldphase, man muss viel ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen, sagt Professor Klaus Sommer von der FH Köln. Doch der Experte für Energie- und Gebäudetechnik freut sich auf das Energie-Haus der Zukunft als „Riesenherausforderung“.

do1.tv: Herr Sommer, Sie beschäftigen sich unter anderem mit Gebäuden, die hocheffizient mit Energie umgehen und teilweise sogar mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Wenn das möglich ist, warum ist man dann erst so spät auf die Idee für die so genannten Energieplus-Häuser gekommen?

Klaus Sommer: Ich muss eines vorwegschicken: Energieplushäuser sind noch keinesfalls Stand der Technik und auch wenn es an einigen Stellen funktioniert, sind wir gerade erst in der Feldphase angekommen, in der viel probiert, beobachtet und optimiert werden muss. Wir sammeln gerade erste Erfahrungen und müssen noch viel lernen. Es ist zwar alle Technik vorhanden, insofern hätte man tatsächlich schon früher auf die Idee kommen können. Doch diese Technik optimal und wirtschaftlich zusammenzubringen, ist eine eigene Kunst. Und für die Umsetzung genialer Ideen braucht es seine Zeit wie in diesem Fall bei der in Deutschland eingeleiteten Energiewende. Momentan lautet der Plan, bis 2022 von allen Kernkraftwerken wegzukommen und bis 2050 rund 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Ingenieure und Politiker haben sich gedacht: Wenn ohnehin neue Energiesysteme aufgebaut werden müssen, warum produzieren wir dann nicht da Energie, wo sie direkt gebraucht wird? Das kann einen guten Beitrag leisten, unsere Energieversorgung für Gebäude optimal umzubauen.

Befürworter der Energieplus-Häuser: Professor Klaus Sommer von der Fachhochschule Köln. Foto: privat

Momentan kosten Energieplus-Häuser meist noch deutlich mehr als konventionelle Neubauten in der selben Größe. Kann man denn sicher sein, dass sich die Investition irgendwann rechnet und man nicht mehr Nach- als Vorteile hat?

Sommer: Das Systemengineering für Energieplus-Häuser befindet sich zurzeit in der Test- und Optimierungsphase. Der hohe Einsatz an erneuerbaren Energien auf dem eigenen Grundstück und der sehr viel geringere Energieverbrauch dieser Häuser gegenüber konventionellen Neubauten macht Energieplus-Häuser zu einem hohen Maß unabhängig von konventionellen Energieträgern. Steigen die Kosten dieser Energieträger künftig weiter – wovon allgemein ausgegangen wird – sind Energieplus-Häuser wirtschaftlicher als konventionelle.

Aber wie kann man die Kosten für den Bau von Energieplus-Häuser reduzieren?

Sommer: Wenn immer mehr Häuser gebaut werden, sinken auch die Investitionskosten für die einzelnen Komponenten wie die Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpen, effiziente Lüftungs- und Heizsysteme. Die Herausforderung ist jetzt, die einzelnen Gebäude- und Anlagenkomponenten, die Beleuchtung und Haushaltsgeräte intelligent zu verknüpfen und dabei die Funktionsweise auch für die Bewohner und die Installateure transparent zu machen, die diese Gebäude überwachen und reparieren sollen. Und bei diesen so genannten Highend-Lösungen ist man noch nicht so weit, die Abstimmung läuft noch nicht reibungslos. In den bisherigen Pilotprojekten werden sich über die Jahre sicher noch einige Probleme zeigen. Dann muss man optimieren.

Was muss denn so ein Prototyp eines Energieplus-Hauses können?

Sommer: Auf jeden Fall müssen die Häuser schon möglichst energieeffizient gebaut und eingerichtet sein – im Idealfall bringen sie tatsächlich in allen Bereichen von Heizung bis Beleuchtung die hochwertigsten Systemkomponenten zusammen, die auf dem Markt sind. Davon hängt effektiv ab, wie viele Solarmodule ich noch verbauen muss, um einen Überschuss durch erneuerbare Energien zu produzieren (mehr Informationen siehe Kasten). Man kann nicht erwarten, dass ohne energiesparende Einrichtung ein Maximum an Energie rauskommt. Das heißt: Nur A++-Geräte in der Wohnung, also mit hoher Energieeffizienz, was natürlich auch für die Heizungs- und Lüftungsanlagen gilt! Dann sollte in das Haus hocheffiziente Beleuchtung eingebaut werden, sprich: LED-Leuchten, da gibt es mittlerweile auch ganz angenehme Formen. Zu einem Energieplus-Haus gehört dann natürlich auch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Das bedeutet, dass die warme Luft, die aus der Wohnung abgeführt wird, zuvor noch dazu genutzt wird, die neu von außen angesaugte kalte Luft so weit wie möglich vorzuwärmen. Dadurch sollte nicht weniger als 80 Prozent der Wärme, die aus der Wohnung geht, erhalten bleiben.

Könnten Sie ein konkretes Beispiel nennen, was ich mit all diesen Komponenten im Gegensatz zu einem normal ausgestatteten Haus mit Solaranlage auf dem Dach gewinnen kann?

Sommer: Betrachten wir mal ein Wohngebäude, das sehr viel besser gedämmt wird als es standardmäßig der Fall ist. Dann hängt es immer noch von der Anlagentechnik ab, wie groß eine zu installierende Photovoltaikfäche sein muss, um mindestens die benötigte Energie zu produzieren. Angenommen, dieses Wohngebäude wäre nur mit einem Brennwertkessel zum Heizen ausgestattet und die Bewohner würden über die Fenster lüften. Um zu einer Energiebilanz von Null oder einer positiven Bilanz zu kommen, müsste dieses Gebäude mehr als doppelt so viel Photovoltaikfläche haben als ein ähnliches Wohngebäude, das stattdessen eine Luftwärmepumpe und eine Wohnungslüftungsanlage mit 80-prozentiger Wärmerückgewinnung hat.

Ist man mit einem Energieplus-Haus komplett unabhängig von den großen Vier, also den etablierten Energiekonzernen?

Sommer: Man wird vorerst nicht komplett autark sein, nachts und im Winter ist man auf Netzstrom angewiesen, da man mit der Stromspeicherung noch nicht weit genug ist. Das Energieplus-System muss auf absehbare Zeit noch eine Zwei-Bahn-Straße bleiben, das heißt, es wird immer wieder Energie ab- aber manchmal eben auch welche zufließen und auch die Tagesbilanz wird immer schwanken. Sicher ist allerdings, dass man auf das Jahr gerechnet einen Überschuss an Strom produzieren kann, wenn das Systemengineering stimmt, das zeigen Berechnungen und auch Feldtests.
Gehen wir einmal davon aus, man könne die Energie irgendwann besser speichern – kann dann künftig jeder mit seinem eigenen Strom sein Elektroauto am Haus aufladen und ohne Benzin losfahren?
Sommer: Tatsächlich denkt man beim Energieplus-Haus daran, dass man künftig auch den Verkehr von fossilen Brennstoffen unabhängiger machen kann. Ich kenne entsprechende Modellprojekte aus Japan. In Tokyo hat ein großer Autobauer eine Energiesiedlung mit etwa 50 bis 60 Gebäuden gebaut, die sowohl die Bewohner mit Energie versorgen, als auch Stromtankstellen direkt am Haus beliefern. Die Häuser haben außerdem jeweils Batterien, die den solar erzeugten überschüssigen Strom speichern, damit er dann später angezapft werden kann, wenn die Sonne nicht scheint. Einzelbeispiele hierfür gibt es auch in Deutschland.

Und das funktioniert? Warum macht man das dann nicht viel öfter, im großen Stil?

Sommer: Ob das Konzept langfristig aufgeht, muss sich noch in der Praxis zeigen. Doch das Interessante an dieser Siedlung ist: Es soll nicht nur intelligente Zähler in jedem Haus geben, die unnötige Verbraucher wie die Waschmaschine in Peakzeiten abschalten und auf später verschieben. Dazu kommt auch noch ein übergeordnetes Mangementsystem in der Cloud, das die gesamte Siedlung im Blick hat und überschüssigen Strom aus einem Gebäude auf andere verteilt, die gerade mehr Bedarf haben. Wenn wir an einem solchen Punkt sind, dass man durch Smart-Meter tatsächlich sehen kann, was man einspart, produziert und wie sinnvoll man Energie umverteilen kann, dann motiviert das doch alle zum bewussten Umgang mit Energie: Ingenieure, Architekten, Wissenschaftler und Hausbewohner. Das wäre eine optimale Situation, weshalb unsere momentanen Modellprojekte und ihre Evaluation so wichtig sind. Genau in diesem Bereich, intelligente Steuerung und energetische Gesamtkonzepte, die über das einzelne Haus hinaus gehen, müssen wir noch sehr viel lernen und brauchen unbedingt mehr spezialisierte Wissenschaftler und Fachkräfte, die uns da voran bringen.

Wann werden wir denn an einem Punkt sein, dass wir flächendeckend Energieplus-Standard bauen und solche intelligenten Systeme die Regel sind?

Sommer: Das ist schwer zu sagen, man muss sich immer fragen: Was sind die Motoren, die so etwas vorantreiben? Momentan ist das der gemeingesellschaftliche Wunsch, eine Energiewende zu schaffen. Wir haben einen Konsens über den Atomausstieg, wir haben knapper und teurer werdende Ressourcen und viele Förderprogramme richten sich an erneuerbaren Energien aus. Aber es kann noch vieles kommen, von dem wir jetzt noch nichts ahnen – denken Sie nur an das Thema Fracking. Was, wenn sich in den kommenden Jahren herausstellt, dass wir damit noch eine ganz neue Ressource eröffnen können, die erstmal die Energieversorgung wieder über einen längeren Zeitraum erleichtert?

Allerdings scheint es doch momentan recht unwahrscheinlich, dass die Energiepreise langfristig noch einmal sinken beziehungsweise, dass sinkende oder stagnierende Preise noch an den Endkunden weiter gegeben werden, oder?

Sommer: Richtig. Deshalb wird es in jedem Fall attraktiver werden, künftig so autark wie möglich zu werden, ohne fossile Energie klar zu kommen. Doch wir stehen noch ganz am Anfang. Wir kümmern uns bisher fast nur um Konzepte für Neubauten, die aber einen lächerlich kleinen Anteil des Gebäudebestandes ausmachen – jährlich werden in Relation zum Bestand etwa 1 Prozent neue Gebäude erstellt. Langfristig müssen wir also in den Gebäudebestand hinein, Sanierung ist das große Thema. Doch die Umrüstung von Gebäuden auf höchsten Standard ist noch viel komplizierter als Neubau, die Kosten sind vergleichsweise hoch. Da gibt es zwar auch erste Pilotprojekte und öffentliche Fördergelder, doch das Forschungsinteresse ist noch nicht ausreichend geweckt. Die Bundesregierung gibt als Ziel aus, den Wärmebedarf in Gebäuden bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 2008 senken zu wollen, um bis dahin einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, das – wenn überhaupt – nur mit Lösungen zu schaffen ist, die den Gebäudebestand einbeziehen. Es wird auf jeden Fall eine Riesenherausforderung, für die wir ganz viele begeisterte Leute brauchen: Junge Forscher, Ingenieure, Bauherren und Bürger, die mitmachen.

Zur Person:

Professor Klaus Sommer, Jahrgang 1951, lehrt im Bereich Heizungstechnik Energie- und Gebäudetechnik am Institut für Technische Gebäuderüstung der Fachhochschule Köln. Er ist REHVA Fellow (Federation of European Heating, Ventilation and Air-conditioning Associations) und Teil des Editorial Board des International Journal of Sustainable Energy.

Zum Thema:

Über das Jahr gesehen holt ein Energieplus-Haus durch eigene Energiesysteme wie Photovoltaik-Anlagen nicht nur die Energie wieder herein, welche die Bewohner zum Kochen, Heizen und für die Beleuchtung verbrauchen, sondern erzeugt einen Energieüberschuss. Damit die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ausreicht, ein Energieplus zu erwirtschaften, muss das Haus effizient sein.

Dazu muss es:

– kompakt gebaut sein, also möglichst wenig Oberfläche bieten, die Energie verschwendet

– alle Heizungskomponenten so lagern, dass die Wege zu den Raumheizflächen möglichst kurz sind

– große Fenster gen Süden haben, die jedoch auch mit hochwirksamen Sonnenschutz ausgestattet sind

– auch die Photovoltaikanlage muss derart optimal ausgerichtet sein

– hochwärmegedämmte Wände und Fenster haben – was etwa durch dicke Rahmen mit Gasschicht zwischen den Scheiben erreicht werden kann

Ortstermin Spezial: Sparen

Sparen, sparen, sparen – seit Beginn der Euro-Krise vor knapp fünf Jahren scheint der Begriff der Sparsamkeit zum Unwort verkommen zu sein. Viele Menschen in Europa leiden unter den Sparzwängen ihrer Regierungen. Und auch in Deutschland werden durch Kürzungen bei sicheren Jobs und auskömmlichen Löhnen immer mehr Eckpfeiler eingespart, die früher ein gutes Leben ausmachten. Do1 hat Menschen besucht, die aus der Not hingegen eine Tugend machen und sich mit Lust ganz bestimmte Dinge sparen: Hohe Stromkosten, oder gleich jegliche Abhängigkeit von Geld. Und wer unsere Protagonistin Sarah kennenlernt, der wird Sparen danach vielleicht sogar als etwas Reinigendes und zugleich Spannendes ansehen. Viel Spaß!

Newsflash: Jobs der Auszubildenden an der TU Dortmund vorerst gesichert